VERSTEHEN. REFLEKTIEREN. HANDELN. CLAUDIA EFFERTZ WIE DU ALS FÜHRUNGSKRAFT NICHT VERRÜCKT WIRST UND IM ECHTEN LEBEN PROFITIERST LESEPROBE WIE DU ALS FÜHRUNGSKRAFT NICHT VERRÜCKT WIRST Warum dieses Buch – gerade jetzt? Orientierung in einer Zeit, in der sich alles verändert Veränderung ist längst kein Ausnahmezustand mehr. Sie ist Teil unseres Alltags – in Unternehmen, in Teams und im persönlichen Leben. Gleichzeitig wächst der Druck, schnell zu reagieren, Sicherheit zu vermitteln und handlungsfähig zu bleiben. Verstehen, was in uns und anderen geschieht Viele Verhaltensweisen, die heute Kraft kosten, waren einmal sinnvoll. Wer ihre innere Logik erkennt, kann bewusster entscheiden, klarer führen und Veränderung gesünder gestalten. Wie Metaphern wirken Metaphern übersetzen komplexe psychologische Zusammenhänge in innere Bilder. Sie verbinden Wissen mit Erleben, bleiben leichter im Gedächtnis und sind auch dann abrufbar, wenn Stress den Zugang zu langen Erklärungen erschwert. So entstehen Brücken zwischen Erkenntnis und konkretem Handeln. Für Führungskräfte, Unternehmer:innen, Projektverantwortliche und Menschen, die Veränderung gestalten. Mit einem Vorwort von Hermann Scherer · GOLD Verlag · November 2026 · 20 Euro LESEPROBE · CLAUDIA EFFERTZ 2 BRÜCKENBAUERIN Claudia Effertz Senior Coach (DCV) · Organisationsentwicklerin · Autorin · Speakerin Seit über 25 Jahren begleitet Claudia Effertz Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit langjähriger Führungs- und Beratungserfahrung. Als ehemalige Geschäftsführerin, Führungskraft und Betriebsratsvorsitzende kennt sie Veränderung aus unterschiedlichen Perspektiven. Heute bildet sie systemische Coaches und Führungskräfte aus. Ihr Anliegen Menschen darin zu unterstützen, sich selbst besser zu verstehen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und bewusst zu entscheiden, wofür sie ihre Kraft einsetzen. Klar + authentisch + empathisch LESEPROBE · CLAUDIA EFFERTZ 3 DER AUFBAU 24 Metaphern – 24 Brücken Kapitelübersicht 1 von 2 01 Die neue Straße Warum Veränderungen zu Beginn oft mehr Aufmerksamkeit erfordern 02 Das Pendel Warum die ersten Änderungsversuche oft ins Gegenteil des Erwünschten ausschlagen 03 Die Furchen im Gehirn Warum unsere größte Stärke unter Stress manchmal zur größten Herausforderung wird 04 Der rosa Elefant Warum ein „Weg-von“ manchmal der Anfang einer neuen Richtung ist 05 Der innere Kompass Warum du die Sinnhaftigkeit deines Wegs anderen nicht immer beweisen musst, bevor du ihn gehen darfst 06 Der Baum Warum Stabilität und Beweglichkeit zusammengehören 07 Wenn Stress die Türen schließt Warum Hilfe manchmal nicht mehr ankommt 08 Der innere Brandmelder Warum ein Teelicht sich manchmal wie ein Großbrand anfühlt 09 Der Kochtopf Warum Stressregulation kühlt, aber die Hitze trotzdem reduziert werden muss 10 Die Ausfahrt nehmen Warum wir aus Dauerstress nicht einfach abrupt aussteigen können 11 Kniehoch im Alltag Warum Führung Überblick braucht 12 Die Balance Warum Fürsorge für sich selbst kein Egoismus ist LESEPROBE · CLAUDIA EFFERTZ 4 DER AUFBAU 24 Metaphern – 24 Brücken Kapitelübersicht 2 von 2 13 Die Eichhörnchen Warum nicht jedes Thema, das jemand zu dir bringt, automatisch deines werden sollte 14 Der Korb Warum Teams nur dann gesund funktionieren, wenn alle etwas einbringen 15 Das Mobile Warum Veränderung nie nur eine Person betrifft 16 Der Aufzug Warum Menschen auf Veränderungen oft sehr unterschiedlich reagieren 17 Das Dosentelefon Wenn Verhalten eine Botschaft überträgt 18 Das Hamsterrad Warum mehr Erklären nicht immer zu mehr Verständnis führt 19 Die Spielregeln Warum ein klarer Rahmen Freiheit erst möglich macht 20 Vollkornbrot und Kuchen Warum gute Argumente nicht automatisch Lust auf Veränderung machen 21 Das Flugzeug Warum manche Veränderungen nicht im Stillstand stattfinden 22 Bitte im Nachbarbüro anfangen Warum Veränderung leicht klingt, solange sie andere betrifft 23 Der Umzug Warum in Engpass-Situationen nicht alles gleichzeitig wichtig sein kann 24 Vom Surfen und Segeln Warum neue Rollen oft neue Strategien brauchen LESEPROBE · CLAUDIA EFFERTZ 5 92 DIE AUSFAHRT NEHMEN Warum wir aus Dauerstress nicht einfach abrupt aussteigen können Stell dir vor, du fährst mit 270 km/h über die Autobahn. Am Anfang ist es vielleicht aufregend. Das Zusammenspiel von Adrenalin und Tempo begeistert. Du bist hellwach. Vielleicht fühlst du dich durch die Geschwindigkeit sogar besonders leistungsfähig. Irgendwann gewöhnst du dich allerdings daran. Du merkst gar nicht mehr, wie schnell du unterwegs bist. Die hohe Geschwindigkeit wird normal. Du rauschst an allem vorbei. An Landschaft, an Ausfahrten, an Rastplätzen und an weiteren Möglichkeiten, einmal an- oder auch innezuhalten. Und erst nach einiger Zeit spürst du: Das ist anstrengend. Nicht nur ein bisschen. Sondern tief im Körper. Die Hände bleiben angespannt. Der Blick ist eng geworden. Der Atem flach. Die Welt zieht in einem Höllentempo vorbei. Und irgendwann taucht vielleicht eine Erinnerung auf. An die Landstraße und langsameres Fahren. An Kurven, Bäume, frische Luft. Vielleicht sogar an ein Cabrio von früher. Das Dach ist offen. Der Wind streift sanft über das Gesicht. Das ist die Alternative zum Rasen: unterwegs sein. Schließlich kommt eine entscheidende Frage: Wie nehme ich eigentlich die Ausfahrt? Denn bei 270 km/h kann ich nicht einfach das Lenkrad herumreißen. Ich kann nicht abrupt abbiegen und in den Ruhemodus zurückschalten. Ich muss so einen Ausstieg gezielt vorbereiten. Die Brücke zum Verstehen Wie in dem Hochtempo-Bild ist es auch mit Dauerstress. Viele Menschen wünschen sich, einfach sofort abschalten zu können. Sie sagen: „Ich müsste 93 mal meditieren.“ Oder: „Ich müsste ruhiger werden.“ Und: „Ich müsste endlich entspannen.“ Aber wenn das innere System noch mit 270 km/h unterwegs ist, funktioniert das eben oft nicht so einfach. Dann setzt man sich vielleicht hin, schließt die Augen, und im Inneren fährt einfach alles weiter. Gedanken rasen weiter. Der Körper bleibt angespannt. Die innere Unruhe wird sogar noch spürbarer. Nicht, weil die Meditation oder eine andere Entspannungsübung falsch wäre. Sondern weil der Körper noch nicht in der Geschwindigkeit angekommen ist, in der Entspannung und Ruhe überhaupt möglich werden. Denn ein System, das lange im Hochstress war, braucht Übergänge zur langsameren Fahrt und zum Stillstand. Es braucht Ausfahrten, nicht Vollbremsungen. Wie man eine Ausfahrt nimmt Um langsam(er) fahren zu können, muss ich zuerst einmal bewusst bemerken, dass ich überhaupt zu schnell unterwegs bin. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn viele Menschen bemerken ihren Dauerstress erst, wenn Körper und Geist schon sehr deutlich darauf aufmerksam machen: Mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Erschöpfungszuständen, Herzklopfen, Verspannungen und Konzentrationsproblemen. Oder auch, und das ist wohl ebenso bedenklich, mit dem Gefühl, innerlich nicht mehr wirklich voranzukommen. Der erste Schritt bei der Bewältigung dieser Herausforderung ist deshalb das Erkennen in Form einer eindeutigen Formulierung. Ich nehme wahr: Ich fahre gerade zu schnell. Als nächstes muss ich dann die Ausfahrt rechtzeitig erkennen. Welche Möglichkeiten habe ich, Tempo aus der Fahrt zu nehmen? Hilft ein Spaziergang? Ein Durchatmen, EFT-Klopfen oder Bewegung? Ein Gespräch? Eine Pause, ein freier Abend, weniger Außenreize oder eine klare Grenzziehung? Es gibt mehrere Optionen, für jeden eine etwas andere. Dann kommt die Entscheidung. Ich muss nicht nur wissen, dass eine Ausfahrt kommt. Ich muss sie nehmen wollen. Deshalb setze ich den Blinker. Das wirkt, von außen betrachtet, vielleicht ganz einfach. Aber was das eigene Innere betrifft, ist diese Handlung von enormer Bedeutung und oft überaus anstrengend. Ich signalisiere damit: Ich steige jetzt aus der Hochgeschwindigkeit 94 aus. Eventuell sage ich dafür einen Termin ab. Oder ich schalte das Handy aus. Gegebenenfalls bitte ich auch andere um Unterstützung. Und vielleicht kündige ich außerdem an: „Ich brauche jetzt eine Pause.“ Dann bremse ich herunter. Nicht abrupt. Sondern mit Bedacht, aber immer stärker. Und erst dann nehme ich die Ausfahrt. Der Körper muss mitkommen dürfen Um aus Hochstress-Situationen herauszukommen, brauchen viele Menschen Methoden, die den Körper dabei mitnehmen. Nicht nur den Kopf. Denn der Kopf weiß oft längst: „Das ist zu viel.“ Aber der Körper fährt weiter. Deshalb können bewegte oder körperorientierte Methoden so hilfreich sein. Hilfreich sind auch viele andere Formate, die nicht sofort völlige Stille verlangen, sondern dem Nervensystem helfen, langsam herunterzufahren. Manchmal ist der erste Schritt eben nicht die Selbstsuggestion: Setz dich hin und sei ruhig. Sondern: Hilf deinem Körper, wieder langsamer zu werden. Das ist ein großer Unterschied. Denn echte Entspannung lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht eher dort, wo der Körper ganz ungezwungen wieder mehr Sicherheit spürt. Und dann das Dach öffnen Was ich an dieser Metapher besonders mag, ist das Ende. Denn es geht nicht nur darum, langsamer zu werden und nicht zusammenzubrechen. Es geht darum, wieder etwas außerhalb der Lebensstraße wahrzunehmen: Luft, Weite, Landschaft, Leben. Und idealerweise auch Freude. Das Bild des Cabrios ist genau dafür so gut geeignet. Nicht als Luxussymbolik. Sondern als Erinnerung an das Wissen: Es gibt ein anderes Tempo. Eines, in dem ich wieder sehe, wo ich bin, und das genießen kann. In dem ich nicht nur funktioniere und irgendwo ankomme. Sondern mit dem ich in einem gesünderen Tempo unterwegs bin. Mit mehr Atem. Mit mehr Wahlfreiheit. Mit mehr Kontakt zu mir selbst. 95 Die Brücke zu dir Vielleicht fährst du gerade schneller, als dir guttut. Vielleicht hast du dich an dieses Tempo schon so gewöhnt, dass es sich fast normal anfühlt. Dann frage dich: Woran merke ich, dass ich mit 270 km/h unterwegs bin? Und: Welche Ausfahrt wäre gerade realistisch? Es geht nicht um die vollumfängliche und perfekte Lebensveränderung. Nicht sofort muss alles anders werden. Wichtig ist eine echte Ausfahrt, also eine Aktion, die Tempo herausnimmt. Es geht darum, eine Tempogrenze einzuziehen, eine Pause einzulegen, eine Körperübung auszuführen oder ein Gespräch. Es geht darum, eine Situation zu erzeugen, in der du nicht weiter beschleunigst. Denn manchmal beginnt Veränderung nicht damit, dass wir wirklich alles sofort neu starten. Sondern damit, dass wir rechtzeitig den Blinker setzen. Die Brücke in deine Verantwortung Wenn du Menschen führst oder begleitest, ist dieses Bild besonders wichtig. Denn viele Menschen in Hochstress-Situationen können nicht sofort und mit einem Mal ruhig, reflektiert oder lösungsorientiert sein. Ihr System fährt dafür noch zu schnell. Gute Führung erkennt das. Sie erwartet nicht, dass Menschen bei 270 km/h entspannt aus ihrer Lebensautobahn aussteigen. Sie schafft Ausfahrten, klare Prioritäten, sorgt für Pausen, Entlastung, Reizreduktion und initiiert Gespräche und Strukturen, die Tempo herausnehmen. Gute Führung achtet vor allem darauf, dass nicht nur über Stress gesprochen wird, sondern dass konkrete Wege geschaffen werden, um über diese aus der Dauerstress-Straße abzubiegen. Menschen brauchen nicht nur die Aufforderung: „Fahren Sie mal langsamer.“ Sie benötigen auch die Möglichkeit, eine dafür geeignete Ausfahrt zu nehmen. Platzhalter Brückenimpuls 5 96 Fragen, die Brücken bauen · Woran merke ich, dass ich innerlich mit 270 km/h unterwegs bin? · Habe ich mich schon an ein Tempo gewöhnt, das mir eigentlich nicht guttut? · Welche Ausfahrt sehe ich gerade, nehme sie aber noch nicht? · Was wäre mein Blinker – also ein sichtbares Signal dafür, dass ich Tempo herausnehme? · Welche Methode hilft meinem Körper, langsamer zu werden? · Was wäre heute ein realistischer erster Schritt raus aus dem Hochstress? · Wie fühlt sich mein persönliches „Cabrio mit offenem Dach“ an? 97 DER KOCHTOPF Warum Stressregulation kühlt, aber die Hitze trotzdem reduziert werden muss Wenn ich Stressregulation erkläre, nutze ich gerne das Bild eines Kochtopfes. Dieses Bild lässt sich folgendermaßen beschreiben: Stell dir einen Topf mit etwas Wasser darin vor. Vielleicht kochen sogar Nudeln darin. Die Herdplatte steht auf voller Kraft. Das Wasser blubbert. Es steigt nach oben. Es schäumt. Und irgendwann kocht es über, selbst wenn der Topf zuvor nur zu einem Viertel gefüllt war. Jetzt kann ich natürlich kaltes Wasser hineingießen. Das hilft erst einmal. Der Schaum geht zurück. Das Wasser beruhigt sich. Für einen Moment sieht alles wieder kontrollierbar aus. Aber wenn die Herdplatte weiterhin auf höchster Stufe steht, wird das Wasser wieder anfangen zu kochen. Und dann muss ich wieder kaltes Wasser hineingießen. Und wieder. Und wieder. Bis der Topf so voll ist, dass das definitiv nicht mehr weiter funktioniert. Genau so wirken viele Methoden der Stressregulation. Sie helfen. Sie kühlen. Sie beruhigen. Sie verhindern manchmal, dass etwas überkocht. Aber wenn die Hitze darunter dauerhaft zu hoch bleibt, reicht Regulation allein irgendwann nicht mehr aus. Stressregulation ist wichtig Ich bin sehr dafür, gute Methoden zur Stressregulation zu nutzen. Sinnvoll sind Atemübungen, EFT-Klopfen, Bewegung, Qigong, autogenes Training, Meditation, Spaziergänge, Musik, Pausen, unterschiedlichste körperorientierte Methoden. 87 Alles, was dem Nervensystem hilft, wieder etwas herunterzufahren, kann wertvoll sein. Und gerade in akuten Situationen brauchen wir manchmal genau dieses „kalte Wasser“ (um im Bild zu bleiben). Einen Moment, der beruhigt, eine Übung, die uns auf den Boden zurückholt. Eben eine Technik, die verhindert, dass wir innerlich überkochen. Das ist nicht oberflächlich gedacht. Denn es ist oft kurzfristig notwendig. Aber es ist nur ein Teil der eigentlichen Lösung. Die Brücke zum Verstehen Wenn ein Mensch immer wieder regulieren muss, sollten wir irgendwann nicht nur fragen: Welche Methode hilft dir, dich zu beruhigen? Sondern auch: Warum ist deine „Platte“ eigentlich dauerhaft so heiß? Denn die Hitze kann viele Ursachen haben. Zu viele Aufgaben. Zu wenig Rollenklarheit. Ständige Erreichbarkeit. Unklare Verantwortung. Innere Antreiber wie: „Ich muss alles schaffen. Oder: „Ich darf niemanden enttäuschen.“ Oder: „Ich muss stark sein.“ Und auch: „Ich darf keine Fehler machen.“ Oft liegt die Ursache dafür auch in Glaubenssätzen, die uns immer weiter antreiben, obwohl das brodelnde Wasser unseres Topfes längst den Topfrand erreicht hat. Manchmal kommt die Hitze auch von außen. Durch Personalmangel, schlechte Strukturen, durch Konflikte oder Überforderung. Eventuell auch durch fehlende Prioritäten oder ein System, das zu viel Erwartung aufbaut und zu wenig Entlastung schafft. Dann reicht es nicht, immer nur kaltes Wasser nachzugießen. Dann müssen wir auch an den Regler der Herdplatte. Wenn die Platte weiter mit voller Kraft heizt In vielen Organisationen wird sehr viel über Resilienz gesprochen. Das ist wichtig. Aber manchmal wird dabei vergessen, dass es nicht ausreicht, 88 Menschen immer einfach nur noch widerstandsfähiger werden zu lassen. Manchmal müssen auch die Bedingungen besser werden. Schließlich ist es nicht fair, Menschen ständig weitere Methoden zur Selbstregulation zu empfehlen, während die Herdplatte unverändert auf höchster Stufe heizt. Natürlich dürfen und sollen Menschen lernen, gut für sich zu sorgen. Aber Führung und Organisation tragen ebenfalls Verantwortung. Für realistische Aufgabenumfänge, klare Zuständigkeiten, für Pausen und Vertretungen. Außerdem für klare Prioritäten und eine eindeutige Rollenklärung. Gute Führung muss für eine Kultur sorgen, die Überlastung nicht erst dann ernst nimmt, wenn der Topf schon übergekocht ist. Stressregulation ist also kein Ersatz für gute Führung. Sie ist eine Ergänzung. Die Brücke zu dir Kennst du Überlastungssituationen, in denen du dir mit verschiedensten Maßnahmen selbst zu helfen versuchst? Du regulierst dich. Du atmest langsam und kräftig durch. Du machst Pausen. Du versuchst, dich zu beruhigen. Und trotzdem kocht es immer wieder in dir hoch. Dann frage dich nicht nur: Was kann ich tun, damit ich mich beruhige? Sondern auch: Was hält meine Platte eigentlich so heiß? Welche Aufgabe? Welche Erwartung? Welcher innere Antreiber? Welche Rolle? Welche Situation? Welche Überforderung? Eventuell brauchst du nicht nur mehr kaltes Wasser. Vielleicht hilft dir vor allem ein Blick auf den Temperaturregler. Und mit Sicherheit solltest du dir in Krisensituationen erlauben, nicht nur dich selbst zu regulieren, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen zu analysieren und gegebenenfalls zu verändern. 89 Die Brücke in deine Verantwortung Wenn du Menschen führst oder begleitest, ist diese Metapher beziehungsweise dieses Bild besonders wichtig. Denn das Bild erinnert an die ganz wesentliche Erkenntnis: Es reicht nicht, Menschen nur zu sagen, dass sie besser mit Stress umgehen sollen. Natürlich sind Methoden hilfreich. Aber gute Führung fragt auch: Wo entsteht die Hitze? Was überfordert das Team oder den Einzelnen dauerhaft? Welche Strukturen bringen Menschen immer wieder in Bedrängnis? Welche Aufgaben müssen priorisiert, reduziert oder anders verteilt werden? Welche inneren und äußeren Antreiber halten das System auf Hochtemperatur? Und was können wir tun, damit der Topf nicht ständig kurz vor dem Überkochen steht? Gute Führung gibt bei übergroßer Hitze nicht nur kaltes Wasser hinzu. Gute Führung schaut immer auch auf die Herdplatte. Platzhalter Brückenimpuls 4 90 Fragen, die Brücken bauen · Wo koche ich innerlich immer wieder hoch? · Welche Methoden helfen mir, kurzfristig zu regulieren? · Was ist mein „kaltes Wasser“? · Welche Herdplatte ist bei mir dauerhaft zu heiß eingestellt? · Welche inneren Antreiber erhöhen die Hitze? · Welche äußeren Bedingungen müssten verändert werden? · Was wäre ein erster Schritt, um nicht nur zu kühlen, sondern die Hitzeerzeugung zu reduzieren? 91